Aus der Geschichte der St. Matthias – Schützenbruderschaft Dülken – Boisheimer Straße e. V.     

      Liest man in alten Chroniken von Bruderschaften, so kommt man immer wieder zu der Feststellung, dass sie zumeist als Gemeinschaften von wehrfähigen Männern zum Schutz gegen äußere Gefahren entstanden sind. Das war schon so, als um das Jahr 800 die älteste Bruderschaft der Rheinlande, die „Karlsschützen in Aachen“, gegründet worden ist, erst recht aber in späteren unruhigen Jahrhunderten, wo es galt, die Städte, Dörfer und Honschaften vor umherstreifenden Söldnern und Räuberbanden zu schützen. Dies zu tun war einfach zwingend, weil es keinen anderen Schutz gab als den, den die Bürger sich selber schafften.

      Die Sorge um den Schutz der Heimat war es sicherlich auch, die drei Jahre nach Beginn des dreißigjährigen Krieges Anlass zur Gründung unserer  Bruderschaft gab, brachten doch die Wirren dieses Krieges gerade unserem engeren Raum, dem Niederrhein und den benachbarten Niederlanden, immer neue Bedrohungen und Ängste, Plünderungen und Verwüstungen. Wenn auch das alte Protokollbuch unserer Bruderschaft im Laufe der Jahrhunderte abhanden gekommen ist, so ergibt sich doch aus alten Unterlagen und mündlichen Überlieferungen zweifelsfrei, dass im Jahre 1621 die „löblige Schützenbruderschaft des Hl. Apostoli Matthia zu Boßheim-Nette“ gegründet wurde. 

      Über das Bruderschaftsleben in den folgenden Jahren weiß man heute leider nicht mehr viel. Fest steht jedoch, dass die im Zeichen der Gefahr gegründete Gemeinschaft auch in ruhigeren, friedlichen Zeiten zusammenblieb. Einmal um gegen drohende Gefahren abwehrbereit zu sein, zum anderen aber  auch, um die Geselligkeit zu pflegen. Über allem stand stets der Geist der Brüderlichkeit und der selbstverständlichen gegenseitigen Hilfe.

      Wie das gesamte öffentliche Leben im Mittelalter, so waren auch die Bruderschaften von einer tiefen Religiosität geprägt, weshalb sich auch die Gründer unserer Bruderschaft ausdrücklich unter den Schutz eines Heiligen gestellt haben, unter den Schutz des Hl. Matthias, der als einziger von allen Aposteln in deutscher Erde ruht und zu dessen Reliquien im Silberschrein in der Matthiaskirche zu Trier seit altershehr viele Pilgerscharen ziehen. Eine feste Einbindung in das kirchliche Leben war von daher selbstverständlich.

      Dokumente für den Fortbestand der St. Matthias-Bruderschaft im 17. und 18. Jahrhundert sind neben anderen eine Silberplakette, in die die Jahreszahl 1702 eingeprägt ist und die älteste noch vorhandene Fahne, die ebenfalls die Jahreszahl 1707 trägt.

1764: Erlaß von Regulen

      Um den Bestand der Bruderschaften zu sichern und das Miteinander in der Gemeinschaft zu regeln, bedurfte es verständlicherweise auch einer gewissen Ordnung. Wie dies in der St. Matthias-Bruderschaft geschah, darüber geben 31 Regulen Auskunft, die in dem ältesten erhaltenen Protokollbuch aus dem Jahre 1764 festgelegt sind. Aus der Präambel zu den Regulen ist ersichtlich, dass die darin vorgegebenen Aufgaben und Pflichten der damaligen Schützenbrüder, deren Zahl sich auf 25 belief, unter Aufsicht des damaligen Pfarrers des „Kirspell Boßheim“ stattgefunden hat. Von Interesse ist des weiteren, dass in dieser Versammlung das nächste Schützenfest auf den 21. Juni 1764 festgesetzt wurde.

Ein reges Bruderschaftsleben.

      Für die nachfolgenden Jahrzehnte lässt sich ein reges Bruderschaftsleben nachweisen, das aber leider mehrmals durch kriegerische Auseinandersetzungen unterbrochen wurde. Sofort nach Beendigung dieser zwangsläufigen Unterbrechungen folgte jeweils wieder sehr schnell ein völliger Neuaufbau der Gemeinschaft. Als Beispiel für die Vorgänge am Ende des 19. Jahrhunderts sei verwiesen auf das Schützenfest im Jahre 1872  (ein Jahr nach dem deutsch/französischen Krieg 1871/72), dass unter dem damaligen Brudermeister Heinrich Nehlen mit dem damaligen Schützenkönig Cornelius Berten gefeiert wurde. Acht Jahre später, am 15. März 1880, ist Heinrich Nehlen gefallen.

      Am 20. Januar 1880 gab sich die „St. Matthias-Bruderschaft zu Boisheim-Nette“  neue Statuten. Diese Statuten, die Arnold Giesen, Jakob Berten, Ernst Holthaus, Anton Thißen, Matthias Auer, Heinz Tiller, und Heinz Bröckskes entworfen hatten, wurden am 6. April 1880 vom Bürgermeister der damaligen Gemeinde Boisheim bestätigt. Die Zahl der Schützenbrüder belief sich zu dieser Zeit bereits auf insgesamt 118. Zwischen 1880 und 1912 wurden in regelmäßigen Abständen Schützenfeste durchgeführt.

Stagnation im Zeichen politischer Wirren und als Folge von zwei Weltkriegen.

      Etwa ab dem Jahre 1912 trat dann Stillstand im Bruderschaftsleben ein, der nicht zuletzt auf die Kriegsjahre von 1914 bis 1918 und auf die darauf folgenden Zeiten politischer Wirren und wirtschaftlicher Schwierigkeiten zurückzuführen war. Bis auf 74 sank die Zahl der Schützenbrüder im Jahr 1924 ab. In diesem Jahr fand dann auch das vorerst letzte Schützenfest statt. Als Schützenkönig residierte Johannes Veikes. Erst im Jahre 1957 sollte die Reihe der Schützenfeste fortgesetzt werden.

      Brachte der Niedergang der Weimarer Republik das Bruderschaftsleben schon fast zum Erliegen, so wurde es nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 völlig zum Stillstand gebracht. Kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges wurde sogar  der Name „Schützenbruderschaft“ von den Behörden verboten. In den Jahren des Krieges mussten viele der einst sehr aktiven Bruderschaftler ihr Leben lassen. Bei einem ersten zaghaften Neubeginn im Jahr 1947 zählte die „St. Matthias-Bruderschaft“ noch 30 Mitglieder.

Neubeginn im Jahre 1959

      Durch die Initiative von August Busch, Johann Veikes, Josef Wolfs und einigen anderen wurde es möglich, dem Bruderschaftsleben im Jahre 1959 wieder neue Impulse zu geben und an ein neues Aufleben der Bruderschaft zu denken. So entschloss man sich auf einer am 1. März 1959 anberaumten Generalversammlung, der Erzbruderschaft beizutreten und mit der Weihe einer neuen Fahne eine neue Ära der Bruderschaft einzuleiten. In der Pfarrkirche St. Peter zu Boisheim wurde die neue Bruderschaftsfahne am 20. September 1959 geweiht.

      Der Weg bis zur Durchführung eines ersten Schützenfestes war allerdings noch weit. Das Ableben mehrer Bruderschaftsmitglieder hatte erneut einen vorübergehenden Tiefstand im langjährigen Bestehen der Bruderschaft zur Folge und erst im Jahre 1970 konnte - wiederum Dank der Initiative einiger weniger -  nach 14 Jahren eines eher zurückhaltenden Bruderschaftslebens mit den Vorbereitungen für ein Schützenfest begonnen werden.

      So wurde dann am 23. August 1970 „der Vogel geschossen“ und Josef Wolfs beim Krönungsball am gleichen Abend zum Schützenkönig gekrönt. Das vom 14. bis zum 16. August 1971 veranstaltete Schützenfest mit König Josef Wolfs und seinen Ministern Karls Wilms und Theo Siemes wurde ein glänzender Erfolg.

      Die überaus starke Aktivität aller Mitglieder ermutigte zu dem Beschluss, nun alle 4 Jahre aufzuziehen. Mit Spenden, aber auch durch finanzielle Opfer einzelner Mitglieder konnte der Grundstock dazu gelegt werden.

      Nach August Busch übernahm Gerd Trienekens den Vorsitz der Bruderschaft. Mit Peter Birker als Geschäftsführer und unterstützt vom Vorstand brachten sie die Bruderschaft zu einer aktiven, blühenden Gesellschaft. Der Beitritt zum Bezirksverband Dülken - Boisheim wurde beantragt und am 26. August 1973 beschlossen. Alle vier Jahr wurde seitdem ein Schützenfest gefeiert.

Der ganze Stolz der St. Matthias-Bruderschaft: ein eigener Schießstand.

      Immer erfreulicher wurden die Aktivitäten der Schützen und Schülerschützen. Dementsprechend blieben die Erfolge nicht aus. Um diese auf eine solide Basis zu stellen, wurde der Ausbau eines Schießstandes erforderlich. Dank des Einsatzes und der materiellen und finanziellen Hilfe vieler Bruderschaftlerinnen und Bruderschaftler konnte diese Vorhaben in die Tat umgesetzt werden. Gleichzeitig wurde ein Aufenthaltsraum eingerichtet, wo auch heute noch nach dem Training im geselligen, vertrauten Kreis gefachsimpelt werden kann.

      Noch wichtiger wurde der Schießstand für unsere Bruderschaft, nachdem die Gaststätten an der Boisheimer Straße nacheinander „den Betrieb einstellten“. Nun diente der Schießstand auch als Raum für Versammlungen und die Kränzerabende.

      Im Jahre 1992 wurde schließlich beschlossen, einige dringend notwendige Arbeiten auf dem Schießstand durchzuführen. So wurde eine Gasheizung installiert. Auf Initiative von Bernhard Pesch und Michael Nauen wurden die Decken mit Holz verkleidet und gleichzeitig auch mit einer Wärmeisolierung versehen. Bei diesen Arbeiten wurden sie selbstverständlich von einigen Bruderschaftalern unterstützt. Der Anstrich wurde von Claudia Pesch erneuert. In der gemütlichen Atmosphäre des so renovierten Schießstandes wurde dann folgerichtig auch der Krönungsball 1994 gefeiert.

375 Jahre St. Matthias-Bruderschaft Dülken-Boisheimer Str.

      Es blieb somit nicht aus, dass sich die Mitgliederzahl stark erhöhte, woran Matthias Schmitz maßgeblich beteiligt war. Die Aufgaben der und die Anforderungen an die Bruderschaft wurden gleichzeitig größer und vielseitiger. Zu den kirchlichen Aktivitäten, wie die Beteiligung an Gottesdiensten, Prozessionen und Gemeindefesten, zu der traditionellen Pflege von Wegkreuzen und Bildstöcken kam jetzt auch die Organisation von Ausflügen, Grillabenden und weiteren geselligen Veranstaltungen, deren Höhepunkte die von Arno Hackbarth gestalteten Sommerfeste sind.

      Waren die Bruderschaften in ihren Ursprüngen reine Männergesellschaften, so finden sich heute in ihnen wie selbstverständlich auch immer mehr weibliche Mitglieder, so dass man wohl mit Fug und Recht sagen darf: die Bruderschaften emanzipieren sich. Dies zeigt sich gerade in unserer Schießsportabteilung, wo der Nachwuchs in einem schönen Hobby gefördert wird. Weibliche Mitglieder sind bei uns stets herzlich willkommen!

      Nachdem Gerd Trienekens 1984 den Vorsitz aus gesundheitlichen Gründen abgegeben hat, wurde Peter Jansen zum 1. Brudermeister gewählt. Ihm und dem Vorstand gelang es seither, die neuen Herausforderungen zu bewältigen und an und ab drohende Krisen zu überwinden. Einer seiner Stützen war dabei unser Hauptmann und 1. Schriftführer, Heinz Feider, der nicht nur jeweils den Vogel „zum Abschuss“ bereitstellt, sondern zu den feierlichen Anlässen auch alle notwendigen Schilder malt. Durch die Verpflichtung zu Bruderschaft und den Willen zum Guten wurde die Bruderschaft erfolgreich geführt.

      Wenn die St. Matthias-Bruderschaft, wie auch alle anderen historischen Schützenbruderschaften, in ihrem christlichen Selbstverständnis Schwankungen unterworfen ist, so gründet sie sich doch unverändert auf dem christlichen Zeugnis. Sie wacht selbstkritisch darüber, dass das hochherzige Engagement für die Ideale ihrer Gründer – Brüderlichkeit und bereitwillige Hilfe für andere – nicht nachlässt. Für uns gilt das Wort von Kardinal Höffner:

„Tradition heißt nicht, Asche aufbewahren, sondern Feuer am Brennen zu halten!“

 

 

Geschichte

 

St. Matthiasbruderschaft Boisheimerstraße